Genial III: Der Reformationstag in Bietigheim-Bissingen
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Ein Stadtspaziergang mit Martin Luther

Überwältigende Resonanz beim Stationenweg durch die Altstadt

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Vorbereitungen, Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Kurz davor, Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Klaus-Jürgen Amsler

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Fotograf: Klaus-Jürgen Amsler

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Museumsleiterin Frau Ille-Kopp, Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Würdigung Hornmolds Wolfram Wehnert, Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Geschenke fürs Leiterwägele, Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Kirchenordnung 1559 - Grundgesetz 2017, Fotograf: Reinhard Zuberer

Eine doppelte Premiere war das: Zum ersten Mal – 500 Jahre später – kam Martin Luther in voller Pracht (als Playmobil-Luther) am Reformationstag 2017 nach Bietigheim. Und zum ersten Mal bot eine ökumenische AG eine Stadtführung an. Die AG (Sabine Langguth, Martina Ritter, Erwin Rudolph, Christian Turrey und Wolfram Wehnert) begrüßte die ca. 100 TeilnehmerInnen vor dem Stadtmuseum Hornmoldhaus. Dort wurde die bedeutende Rolle des großen Bietigheimer Mannes der Reformation, Sebastian Hornmold, gewürdigt. Die Leiterin des Hornmoldhauses, Regina Ille-Kopp, und Wolfram Wehnert, Mitglied des Geschichtsvereins Bietigheim-Bissingen, beschrieben Leben und Wirken des verwaltungsmäßigen Steuermanns der Reformation in Württemberg. Denn: Theologie alleine macht noch keine Reformation. Deshalb war klar: Hier bleibt Luther auf jeden Fall stehen.

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

Ein kurzer Weg führte Luther, auf seinem Wägelchen sicher geleitet durch Peter Lommel vom Geschichtsverein Bietigheim-Bissingen, zur zweiten Station: Zwischen Stadtkirche und Sitz der Diakonie im Schwätzgässle begegneten sich zwei, die sich ohne den „Besuch“ Luthers nie getroffen hätten: eine Begine und ein Diakon. Schwester Anna (Edith Steidle), die letzte Begine von Bietigheim, erklärte, wie die Beginen lebten. Wie sie sich ca. ab dem Jahr 1200 zu Gemeinschaften außerhalb eines Klosters zusammenschlossen, jederzeit wieder hätten gehen können, sich der Armen- und Krankenpflege annahmen und sich durch Spinnen und Weben den Lebensunterhalt verdienten.

Mit der Einführung der Reformation in Württemberg 1534 wurde die Sozialfürsorge umgestellt. Auf Ebene des Herzogtums Württemberg wird der Armenkasten – auch Gemeiner Kasten – „für die Allgemeinheit“ – eingeführt. Der Staat wird neu geordnet und das Finanzwesen auch. Nicht durch eine Revolution, sondern durch eine Reformation, durch eine Große Kirchenordnung, ein Regelwerk. Einheitliche Ordnungsverhältnisse. Verlagerung von Macht hin zur weltlichen Ordnung. Da hat´s mächtig gerumpelt, es gab viel Widerstand. Reformation ist kein Zuckerschlecken.

Luther selbst war Berater für eine ganz frühe Kastenordnung, nämlich die von Leißnig von 1523; man nennt sie auch das erste „ev. Sozialpapier“ – deshalb bleibt er ja auch hier stehen bei Begine Anna und Diakon Bauer. Er will sehen, wie es weitergegangen ist.

Diakon Rainer Bauer erinnerte daran, dass im Laufe der Zeit die Armenfürsorge immer mehr zu einer Aufgabe des Staates wurde. Im 19. Jahrhundert erschütterten viele Probleme wie die Industrialisierung oder der rasante Bevölkerungszuwachs das Land. Daraufhin gründeten viele Personen wohltätige Vereine, caritative Organisationen, Rettungshäuser, Kranken- und Armenanstalten. Johann Hinrich Wichern zum Beispiel gründete 1833 das Rauhe Haus in Hamburg. Königin Olga v. Württ. die Karlshöhe in Ludwigsburg.

Dieser Aufbruch begründete Diakonie und Caritas im neuzeitlichen Sinne, und führte auch zu Sozialgesetzgebungen durch den Staat.

Ziele des modernen Sozialstaats: ein menschenwürdiges Dasein sichern und die Gerechtigkeit für alle Menschen gewähren.

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Klaus Amsler

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

Unter der Überschrift „Irrwege und Versagen“ stand die dritte Station. Am „Stolperstein“ für Erna Unkel blieb Luther mit seinem Wägelchen an einem großen „Stein des Anstoßes“ hängen. Das Versagen der christlichen Kirchen, ihre Verführbarkeit angesichts von Macht und Interessen zu allen Zeiten, insbesondere aber auch unter der nationalsozialistischen Diktatur kam zur Sprache. Christian Turrey und Bernhard Ritter fassten zusammen: „Für uns als Kirchen ist die Würde des Menschen in der Gottebenbildlichkeit begründet. Jeder Mensch ist vor Gott gleich viel wert. Wir heute tragen dafür Verantwortung, dass diese Würde keinem Menschen abgesprochen wird. Da hilft nicht der Fingerzeig auf Luthers Versagen oder das anderer, da ist jeder persönlich gefragt.“

Als Symbol wurde zum Ende dieser Szene der „Stein des Anstoßes“ in das von Katharina Prießnitz geführte Leiterwägele gelegt, das an jeder Station mit entsprechenden Symbolen oder Geschenken bestückt wurde.

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach, Glockengeläut Stadtkirche

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach, Geschenk Dosenbrot

An der nächsten Station, dem Backhäusle, empfingen die freundlichen Gastgeberinnen im Team von Sabine Langguth in ihren pinkfarbenen Schürzen die TeilnehmerInnen bei Schmalzbrot und Wein.

Stadtführer Erwin Rudolph hatte Informationen zum Backhaus und zur Ernährung im 16. Jhdt. So ging es z.B. beim Anheizen des Backofens darum, wer diese Arbeit machen musste. Das wurde mit Holzstäbchen gelost. Wer „den Kürzeren zog“, musste ran. Zur Freude der anderen.

Brot war immer ein Grundnahrungsmittel, seit der Mensch seßhaft wurde und Getreide anbaute. Mittlerweile sind im Deutschen Brotregister ca. 3000 Brotsorten notiert.

Ins Geschenke-Leiterwägele legte Pauline Turrey denn auch ein Dosenbrot. Das hält bis zum nächsten Besuch Luthers in Bietigheim!

Pünktlich um 15.17 Uhr lauschten alle dem Geläut der Stadtkirche, in Erinnerung an den 31. Oktober 1517, dem Tag der Veröffentlichung der 95 Thesen Luthers und Initiationsdatum für die Reformation.

Die kleine Verköstigung mit Brot und Wein hatte schon gleich zu Beginn der Station angezeigt, dass die AG an dieser Stelle noch etwas tiefer schürfen wollte: Dass die Bitte um das tägliche Brot immer noch aktuell ist und Luther sich wohl wundern würde, dass 500 Jahre später immer noch Menschen an Hunger sterben; dass jedoch auch bei überbordend Brot die Seele verhungern kann. Dass Brot und Wein auf Jesus Christus weisen, der von sich sagt, dass er uns Brot des Lebens ist. Abendmahl und Eucharistie als Zeichen der Verbundenheit mit Gott und untereinander.

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Klaus Amsler

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

Luther zog nun weiter zur Alten Apotheke. Stadtführer Erwin Rudolph erklärte, wie Herzog Christoph in der Großen Kirchenordnung von 1559 bestimmte, dass vier Apotheken in Württemberg errichtet werden, darunter eine in Bietigheim.

Das Wort „Apotheke“, so erfuhren die TeilnehmerInnen, stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich übersetzt „Abstellraum“. Er wurde in den Klöstern zur Aufbewahrung von Heilkräutern benutzt. Heilkundige waren bis weit ins 15. Jh. fliegende Händler, die Kräuter sammelten, Salben und Tinkturen herstellten und diese dann in den Dörfern und Städten verkauften. Ab dem Ende des 15. Jh. wandelten sich die Apotheker vom fliegenden Händler zum angesehenen ortsansässigen Mitglied der Honorationen einer Stadt. Er wohnt und arbeitet in einem Haus mit „Offizium“.

Im Gesundheitswesen einer Stadt waren in erster Linie tätig der studierte Arzt (Internist), der Bader bzw. Barbier als handwerklicher Beruf, aus dem sich der Chirurg entwickelte, der Apotheker und sonstige sozial Engagierte.

Der Besitzer der Apotheke beim Rathaus, Alois Sterr, und die Filialleiterin Barbara Baggen führten kurzweilig in die alten und neuen Aufgaben einer Apotheke ein. Sie zeigten alte Gerätschaften und machten deutlich: „Luther kannte keine Globuli“.

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: M. Yusufi

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach, fürs Leiterwägele

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Klaus Amsler

Vom Marktplatz her zogen Trommel- und Pfeifenklänge die Gruppe an. Wolfram Wehnert zeichnete in einem eigens für den Reformationstag gedichteten – teils augenzwinkernden – Bänkelsang den Weg des württembergischen Herzogs Ulrich vom überzeugten Katholiken zum suchenden Protestanten zwischen calvinistischer und lutherischer Lehre nach. So waren dann auch die Symbole fürs Leiterwägele ausgewählt: Ein Gotteslob, die reformierte sowie die lutherische Agende (Gottesdienstbuch).Mit eigenhändig angefertigten Zeichnungen wurden die Personen und Ereignisse vergegenwärtigt, unter tatkräftiger Mithilfe von Ute Bartelmäs, der Vorsitzenden des Geschichtsvereins Bietigheim-Bissingen. Ein einzigartiger Beitrag zu Luthers Spaziergang in Bietigheim!

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Fotograf: Klaus Amsler

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Fotograf: Klaus Amsler

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Fotograf: M. Yusufi

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Reinhard Zuberer

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

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Fotograf: Wilhelm Fahrbach

In der Stadtkirche wurde die Gruppe zum Abschluss vom KirchenCafé-Team mit sehr willkommenem heißen Kaffee und Tee empfangen. Luther stellte sich zu seinem Familienwappen, der (weißen) Lutherrose, wo seine theologische Erklärung zu Gehör kam.

Pfarrer Bernhard Ritter dankte der AG, die sich über den regen Zuspruch und den warmen Applaus sehr gefreut nhat.

Mit einer weißen Rose und Drucken mit biblischen Motiven aus der Hornmoldhaus-Ausstellung beschenkt konnten die TeilnehmerInnen noch den Ausblick vom Kirchturm genießen.